Marina Holthaus

Slow Fragrance

Slow Fragrance

In der Fußgängerzone ist es hektisch. Menschen schieben sich durch die engen Gassen, auf dem harten Kopfsteinpflaster vermischt sich das Geräusch tausender Füße mit dem Gemurmel der Passanten. Es ist einer der ersten wärmeren Tage in diesem Jahr, ein Vorbote des Frühlings. Die Sonnenstrahlen locken die Leute scharenweise in die Einkaufszone. Zwischen Backshop und Kaufhaus drängeln sie sich, um sich mit Produkten für ihren Alltag zu versorgen, ein Geschenk für den besten Freund zum Geburtstag zu kaufen oder schnell noch ein neues Kleidungsstück aus dem Sonderangebot zu ergattern. Draußen auf der Straße ist es bereits eng gewesen, doch das ist nichts im Vergleich zu der Fülle, die mich in den Regalgängen des Kaufhauses erwartet. Eine Welle aus den unterschiedlichsten Sinneseindrücken bricht über mich hinein. Die unverständlichen Durchsagen der Mitarbeiter vermischen sich mit den Stimmen der Kunden und den launigen Klängen der Musik; es vermischt sich der Geruch von Seife, Duschölen und dem Mittagsangebot aus dem Restaurant. Heute gibt es wohl Pasta.

Ich bin nicht hier, um Pasta zu essen. Ich suche auch keine Seife oder ein Duschöl. Ich suche ein Parfum für meinen besten Freund. Etwas ganz Besonderes soll es sein. Ich kenne ihn sehr gut und weiß daher genau, wie der perfekte Duft für ihn sein würde: Holzig mit einer Note Zimt. Ich gehe in die Parfumabteilung und sehe mich um. In geschätzten 15 Regalmetern erwarten mich hunderte Flakons. Die Auswahl ist riesig, aber auch unübersichtlich. Zur Probe nehme ich mir einen Flakon aus dem Regal und versuche mich auf den Duft zu konzentrieren. Eine Kundin, die mich etwas unsanft zur Seite schiebt, lenkt mich jedoch schnell wieder ab. Ich versuche mich erneut auf den Duft zu fokussieren, doch das Gemisch der Gerüche aus Seife, Duschölen und Pasta liegt zu schwer in der Luft, als dass ich mich auf das Parfum einlassen könnte. Überdies erschwert die gewaltige Geräuschkulisse den Aufbruch in eine Duftreise, durch die ich so gerne das passende Geschenk für meinen besten Freund finden würde.

Ich schaue mich um, um zu sehen, wie andere Menschen den richtigen Duft für sich oder ihre Liebsten finden. Der Großteil sprüht das Parfum auf ein Stück Papier zum Testen. Die ersten Sekunden entscheidet dann darüber, ob der Duft gefällt oder nicht. In einem Buch über Parfum habe ich einmal gelesen, dass sich ein Duft aus drei Komponenten zusammensetzt: Eine Kopf-, eine Herz- und eine Basisnote. Wird ein Parfum frisch aufgesprüht, steigt mit dem ersten Atemzug immer erst die Kopfnote in die Nase, die von intensiven, aber auch flüchtigen Essenzen bestimmt ist. Ist sie verflogen, wird die langanhaltende Herznote wahrnehmbar, die den Charakter und das Herz des Duftes bildet. Die Basisnote geht die längste Verbindung mit der Haut ein und macht sich ihre Eigenschaften zunutze. Sie ist über viele Stunden wahrnehmbar. Ein oberflächlicher Test ist also nicht ausreichend, um einen Duft mit seinen Eigenschaften in seiner ganzen Fülle wahrzunehmen. Ich verlasse das Kaufhaus – unzufrieden, weil ich an diesem Ort nicht das Parfum finden werde, welches mein bester Freund verdient.

Draußen begrüßt mich eine angenehme Frische. Ich beschließe, dem Trubel in der Einkaufszone zu entfliehen, kaufe mir das erste Eis in diesem Jahr und schlendere mit diesem in eine Seitenstraße. Schlagartig wird es um mich herum ruhiger. Viele Menschen verlassen die große Einkaufszone nicht, schauen nicht nach links und rechts. Ihnen entgehen die kleinen Schönheiten am Wegesrand, wie die ersten Krokusse, die ihren Kopf vorsichtig aus dem Blumentopf vor dem Café strecken. Langsam gehe ich weiter, genieße das Eis. Der Geschmack von Vanille und Zimt lenkt mich kurz ab, sodass ich fast gar nicht den Laden bemerke, der mir ein kleines Lächeln auf das Gesicht zaubert.

Ich betrete den Perfumladen. Leise Musik spielt im Hintergrund, ein angenehm süßlicher Duft liegt in der Luft. Statt in Gedrängel und Trubel finde ich mich auf einer Insel der Ruhe wieder. Flakons mit einer Vielzahl von individuellen Farben der Kappen wecken meine Neugier; freundlich werde ich gebeten, Platz zu nehmen. Ich merke schnell: Dies ist der richtige Ort, um achtsam und hingebungsvoll auf die Suche nach dem richtigen Duft für den richtigen Menschen zu gehen. Ich bin angekommen in der Perfumebar der BIRKHOLZ Perfume Manufacture und ich nehme mir die Zeit, um ohne Druck, bewusst und sinnlich in ein Dufterlebnis einzutauchen. Ein Parfum-Sommelier unterstützt mich und nach einer ausgiebigen Beratung finden wir gemeinsam das Parfum, nach dem ich den ganzen Tag suchte: Supreme Oud.

Die Kopfnote besticht durch Zimt, pinke Pfefferkörner und einen Hauch Zedernholz. Nach einigen Minuten wird die Herznote wahrnehmbar: eine holzige Note im Zusammenspiel mit Patschuli. Viele Stunden lang wird dagegen die Basisnote wahrnehmbar bleiben: Vetiver, Amber und Moschus.

Es ist der Duft, der mich an eine Reise in den Orient vor einigen Monaten erinnert. Das wird der Duft werden, der mich und meinen besten Freund für immer aneinander erinnern wird. Ich gestalte meinen Flakon mit einer schlichten, weißen Echtlederkappe. Außerdem versehe ich das kleine, edle Fläschchen mit einer persönlichen Widmung, ein kleiner Geburtstagsgruß, der nicht nur den Duft, sondern auch den Flakon einzigartig und unverkennbar macht. Dann verlasse ich den Laden lächelnd. In der Fußgängerzone mag es noch immer hektisch sein, doch ich selbst bin ganz ruhig und entspannt, voller Vorfreude, mein Geschenk endlich zu überreichen.

Supreme Oud: Das Knistern in der Luft
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